class="csc-frame csc-frame-default"Erweist sich vermeintlich sicheres Wissen als vorläufig?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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URSINA KLAUSER

„Schwierige“ Kinder. Abklärung, Therapie und Forschung in der ambulanten Kinder- und Jugendpsychia- trie, 1950–1980

Um die Mitte des 20. Jh. geriet das „schwierige“ Kind zunehmend in den Fokus der Psychiatrie. Kinder und Jugendliche, die als von der Norm abweichend, auffällig oder problematisch galten, wurden vermehrt zu psychiatrischen FachärztInnen in Abklärung geschickt. In ambulanten Einrichtungen, die seit dem frühen 20. Jh. im Umfeld von psychiatrischen Kliniken entstanden, wurden diese „schwierigen“ Kinder untersucht, diagnostiziert und gegebenenfalls behandelt.

Aus wissenshistorischer Perspektive kann diese Entwicklung in eine im späten 19. Jh. einsetzende, verstärkte und neuartige Auseinandersetzung mit Kindern eingeordnet werden. Verschiedene Disziplinen und Institutionen prägten in diese Zeit ein neues Verständnis von Kindheit als spezifischer, von Entwicklung bestimmter Lebensphase und begannen, sich auszudifferenzieren und neu zu formieren. In diesem Prozess bildete sich im frühen 20. Jh. auch die Kinder- und Jugendpsychiatrie als eigenes Fachgebiet aus und nahm sich fortan „schwierigen“ Kindern und Jugendlichen an.

Ziel der Dissertation ist es, diesen psychiatrischen Zugriff zu analysieren und historisch zu verorten. Mit dem Ambulatorium der Psychiatrischen Klinik Münsterlingen (Thurgau) wird ein spezifisches institutionelles Setting in den Blick genommen und auf die kinderpsychiatrische Abklärungs-, Behandlungs- und Forschungspraxis fokussiert. Die Studie beleuchtet die Kinder- und Jugendpsychiatrie als Ort, wo sich verschiedene Fragen, Praktiken und Diskurse verschränken und „Schwierigkeiten“ unterschiedlicher Art verhandelt und klassifiziert werden.