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Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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NIKLAUS INGOLD

Light Showers. The History of a Health Technology, 1890-1960

Die Arbeit untersucht den Transfer elektrischer Lampen zur Bestrahlung des menschlichen Körpers aus dem naturwissenschaftlichen Labor in die Gesellschaft in der Zeit zwischen 1890 und zirka 1960. Das Ziel besteht darin, das Auftauchen dieser technischen Geräte an ständig neuen Orten in der Gesellschaft - beispielsweise in Tuberkuloseheilstätten, Kinderheimen, Trainingsanlagen für Sportler oder beim Friseur - durch den Beizug der Apparate zur Lösung immer neuer Probleme zu erklären. Schwerpunkte der Arbeit bilden die Bedeutung der technischen Reproduzierbarkeit der Lichtstrahlen für die Entstehung der wissenschaftlichen Tatsache einer physiologischen Lichtwirkung, der Versuch, den Körper durch technische Mittel zu »verbessern«, und die Risikowahrnehmung im Umgang mit »künstlichen Reizen«. Die Arbeit bezieht sich auf die bisherige Forschung zur Lebensreformbewegung an der Wende vom 19. ins 20. Jahrhundert, zur Entstehung des Schönheitsideals der gebräunten Haut und zu den Anfängen der naturwissenschaftlichen Lichttherapie.

Der Forschungsansatz orientiert sich an Konzepten aus der Akteur-Netzwerk-Theorie. Bruno Latour zufolge bilden Transformationsprozesse den Antrieb für die Verlagerung eines Artefaktes in Raum und Zeit. Die Bestrahlungsapparate können als technische Kniffs verstanden werden, durch die verschiedene Akteure versuchten, Lichtstrahlen in bestimmten Rollen - als Bakterizid, als Energiequelle oder als kosmetisches Mittel - zu fixieren. Welche Bauteile in einem Bestrahlungsapparat Verwendung fanden - beispielsweise ob Glühlampen oder Quarzbrenner - hängt von der Problematisierung ab, die einem Akteur den Griff zu elektrischem Licht als sinnvoll erscheinen liess. Weiter wird davon ausgegangen, dass die Apparate in die Verhandlung ihrer Nützlichkeit eingriffen: Weil sie als Forschungsinstrumente an der Schaffung neuen Wissens beteiligt waren, hatten sie Einfluss auf das Formulieren von Problematisierungen.

Als Quellen dienen wissenschaftliche Publikationen zur physiologischen Lichtwirkung hauptsächlich aus dem deutschsprachigen Raum. Um die Verwendung der Apparate ausserhalb des naturwissenschaftlichen Labors zu verstehen, werden populärwissenschaftliche Schriften und Texte aus den Federn von Lebensreformerinnen und Lebensreformern untersucht. Anhand von Berichten aus Heilstätten, Kliniken oder Kinderheimen und Schulen kann die alltägliche Bestrahlungspraxis beschrieben werden.

Die Dissertation betreuen Prof. Dr. Philipp Sarasin und Prof. Dr. David Gugerli.