class="csc-frame csc-frame-default"Ist wissenschaftliches Wissen eurozentrisch?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

ERNST-CHRISTIAN STEINECKE

Elemente einer Materialgeschichte historischer Forschung 1750/1800

Ziel des Dissertationsprojekts ist eine Fallanalyse der materiellen Kultur(en) historischen Wissens und historischer Forschung am Beispiel ihrer Entwicklung im deutschsprachigen Raum zwischen ca. 1750 und 1800. Damit wird zum einen der Versuch unternommen, einen exemplarischen Beitrag zum umfassenderen Studienfeld der Materialgeschichte wissenschaftlicher Praktiken zu leisten. Zum anderen liegt das innovative Potential des Projekts gerade darin, auf diesem Wege eine Forschungsperspektive, welche bisher überwiegend in Bezug auf Laborwissenschaften eingenommen worden ist, auch für die historische Untersuchung kulturwissenschaftlicher Arbeitsprozesse zu erschließen.

Gegenstand der Untersuchung sind hierbei insbesondere drei Dimensionen der materiellen Kultur(en) historischer Forschung sowie die Formen und Prozesse ihrer wechselseitigen Durchdringung: Bei der ersten Dimension handelt es sich um die konkreten Praktiken und Routinen, bei der zweiten um die Orte und räumlichen Arrangements und bei der dritten schließlich um die Medien und Instrumente geschichtswissenschaftlicher Arbeitsverfahren.

Unter ›Praktiken‹ können im Kontext des genannten Zeitfensters etwa Kulturtechniken des Reisens, Sammelns, Ordnens, Entzifferns, Zählens und Schätzens, aber auch spezifische Modalitäten der Notation, der Korrespondenz oder der Disziplinierung sowie Transdisziplinierung begriffen werden.

Zu den ›Orten‹ historischer Forschung zählen in der gleichen Zeitspanne neben anderen die Bibliothek, das Kabinett, der Hörsaal, das Kloster, das Arbeitszimmer, das Archiv oder das Expeditions- bzw. Exkursionsfeld.

Bei jenen Medien und Instrumenten wiederum, die für das Dissertationsprojekt besonders instruktiv zu sein versprechen, ist neben typischen Schriftmedien wie Zeitschriften, Briefen und Bibliothekskatalogen oder technischen Innovationen wie dem Postverkehr in erster Linie an zweierlei zu denken; nämlich zum einen an vielfältigste Beispiele von Wissenswerkzeugen, so etwa an die Landkarte, den Atlas, das Diagramm, die Tabelle oder die Zeittafel, und zum anderen an menschliche Schaltstellen der Erzeugung und Übermittlung von Wissen, wie sie in Gestalt zahlreicher Amanuenses, Kopisten, Kupferstecher oder Bibliothekare greifbar werden.

Zentral für die Bearbeitung dieser Themenkomplexe wird vor allem die Untersuchung spezifischer archivalischer Quellen, vorzugsweise aus Nachlassbeständen, sein, zu denen beispielsweise Exzerpt- und Notizblätter, Hörerlisten, Tagebücher, Quittungen, Kollegankündigungen, Ausleihbücher oder Reisepässe gehören.