class="csc-frame csc-frame-default"History of Knowledge, to what end?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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STEPHAN GRAF

Der fotografische Prozess als Forschungsobjekt: Technikwissenschaft zwischen Fotoindustrie und Hochschule, 1928-1979


Die in den letzten Jahrzehnten erfolgte geisteswissenschaftliche Wende hin zu technischen Bildern ging mit zahlreichen historischen Analysen von Anwendungen fotografischer Verfahren in den Wissenschaften einher. Dabei gibt es kaum Studien zur Geschichte der wissenschaftlichen Erforschung der Fotografie selbst. Gerade was das 20. Jahrhundert betrifft, ist es weitgehend unerforscht, wie sich in Industrie-​ und Hochschullabors eine eigenständige Forschungsgemeinde um eine experimentelle und theoretische Untersuchung des 'fotografischen Prozesses', also der Vorgänge bei der Belichtung und Entwicklung fotografischer Silberhalogenidschichten, versammelte. In meinem Dissertationsprojekt analysiere ich, welche Wissensformen eine solche fotografische Forschung in Relation zur fortschreitenden Industrialisierung und Popularisierung fotografischer Materialien im Verlauf des 20. Jahrhunderts hervorbrachte und wie dieses Wissen zwischen Industrie und Hochschule zirkulierte. Mithilfe von Jon Agars Konzept der "working worlds" frage ich somit danach, wie die Fotoindustrie – als eine wichtige Arbeitswelt des 20. Jahrhunderts – wissenschaftliche Praktiken strukturierte.

Dafür greife ich drei historische Schauplätze fotografischer Forschung in Europa heraus: die Forschungslabors des deutschen Fotounternehmens Agfa in Wolfen, des britischen Kodak-​Ablegers in Harrow und des Photographischen Instituts der ETH Zürich. Somit lege ich den Fokus auf zwei industrielle Forschungsumgebungen der im Untersuchungszeitraum weltweit grössten Hersteller fotografischer Aufnahmematerialien und auf ein fotografisches Lehr-​ und Forschungsinstitut einer staatlichen Technischen Hochschule. Weil nach dem Zweiten Weltkrieg zunächst der Forschungsleiter der Agfa und anschliessend ein Industrieforscher der britischen Kodak die Leitung des Photographischen Instituts in Zürich übernahmen, lässt sich anhand dieser drei Forschungsstätten exemplarisch untersuchen, wie sich eine bisher kaum beachtete Technikwissenschaft des 20. Jahrhunderts im transnationalen Austauschverhältnis zwischen Industrie und Hochschule entwickelte und veränderte.