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Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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NADINE ZBERG

Die Neuerfindung der Stadt. Diskursive Entwürfe des Urbanen in der Schweizer Alternativbewegung der 1970er- und 1980er-Jahre


Die Stadt der westlichen Nachkriegsmoderne mit ihrer Geschäfts-City, „grünen“ Vororten und autogerechten Erschliessung gerät in den 1960er- und 1970er-Jahren zunehmend in die Krise. Seit den Neunzigerjahren jedoch erleben die Städte einen neuartigen Boom: Sie sind zu «Creative Cities» (Andreas Reckwitz) geworden, zu «attraktiven», «vielfältigen», „urbanen“ Lebensräumen. Diese Transformation der Stadt beruhte auf komplexen ökonomischen, gesellschaftlichen und kulturellen Zusammenhängen im Übergang von der Industrie- zur Dienstleistungs- oder gar Wissensgesellschaft, von der Moderne zur Postmoderne. Ein Aspekt in diesem breiten Feld vielfältiger Transformationen erscheint aber besonders signifikant: die intensive Auseinandersetzung mit der «Stadt» im linksalternativen Milieu in den Siebziger- und frühen Achtzigerjahren.

Auch in der Schweiz formierte sich ein solches Alternativmilieu nach 1968 und war anfänglich geprägt von einem romantisch inspirierten Rückzug in die Natur und zu sich selbst. Im Lauf der Siebzigerjahre rückte aber immer stärker die Stadt in den Blick: als Objekt von Kritik und Protest und als Ort einer utopischen Sehnsucht. Das Promotionsprojekt «Die Neuerfindung der Stadt» vertritt die These, dass das linksalternative Milieu der 1970er- und 1980er Jahre der Ort war, wo «Stadt» grundsätzlich neu gedacht und verhandelt wurde. In Bezug auf die anschliessende Transformation der Städte kam dem Alternativmilieu folglich eine Vorreiterrolle zu.

Das Promotionsprojekt will diese Auseinandersetzung mit und Beanspruchung von «Stadt» mit einer interdisziplinären Bild- und Diskursanalyse in den schweizerischen linksalternativen Printmedien untersuchen. Die wissenschaftlich bisher noch kaum erforschte schweizerische Alternativpresse begreife ich als Akteur-Netzwerk, in dem sich die Zirkulation von Bildern und Vorstellungen von «Stadt» nachzeichnen lassen. Da diese nicht an den Landesgrenzen Halt machen, kann das schweizerische Alternativmilieu so in seinen transnationalen Bezügen situiert werden. Über den Kontext der wissenschaftlichen Literatur zum städteplanerischen Diskurs sowie zu den gesellschaftlichen und ökonomischen Veränderungen in den Siebziger- und Achtzigerjahren wird die Quellenanalyse in den Rahmen der breiteren gesellschaftlichen Debatte um die Stadt gesetzt.

Keywords
: Alternative culture, city, urban social movements, underground press, discourse analysis, 1970s, 1980s