class="csc-default"Wie gelangt Wissen in Gesellschaft?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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PROF. DR. TOBIAS REES

ZGW Kolloquium am 17. Mai 2017

‘of’ the human/after ‘the’ human

Ich verstehe meinen Vortrag als eine spielerische Provokation – und diese Provokation kommt in vier Teilen. Der erste Teil hebt mit zwei Beobachtungen an: Erstens, die Frage nach dem Menschen – was ist ein Mensch? was soll ich tun? – erscheint heute vorwiegend in Bereichen die weit abseits der Expertise der Geisteswissenschaften liegen. Zweitens, der Begriff des Menschen wie er in diesen Bereichen auftaucht, scheint dem Begriff des Menschen, auf den die Geisteswissenschaften aufgebaut sind, zu trotzen.
Der zweite Teil bietet eine Geschichte des Begriffs des Menschen. Wir gehen selbstredend davon aus, dass es den Menschen gibt, etwas das wir – wir Menschen – alle teilen. Etwas, das unabhängig davon ist, wo man geboren ist. Oder wann. Unabhängig davon, ob jemand reich ist oder arm, jung oder alt, Mann oder Frau, unabhängig von unserer Hautfarbe. Unabhängig von Ort und Zeit: der Mensch. Aber wann wurde zum ersten mal von dem Menschen geredet? Wann wurde der Mensch erfunden? Von wem? Wo? Warum? Wie hat sich der Begriff des Menschen im Laufe der Zeit verändert? Und wann hat man zum ersten mal aus den Augen verloren, dass der Mensch eine philosophische Erfindung ist?
Der dritte Teil fokussiert sodann auf zeitgenössische Dementierungen des Menschen: es geht hier gezielt um die Frage, was an der Mikrobiomforschung und der künstliche Intelligenz eine klassische geisteswissenschaftliche Analyse schwierig (vielleicht sogar unmöglich) macht.
Mein Vortrag endet mit der Einladung, diese Dementierungen des Menschen zu nutzen, den Menschen wieder als philosophisches Projekt zu verstehen - eines, das unauflöslich mit der empirischen Erforschung der Gegenwart verflochten ist.