class="csc-default"Kann und sollte man Wissen zählen?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

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Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

PROF. DR. TOBIAS REES

ZGW Kolloquium am 17. Mai 2017

How the Brain Outgrew its Histories. An Essay in Deteleologization

Das 20. Jahrhundert betrachtete es als abgemacht, dass sich das Gehirn erwachsener Menschen nicht mehr verändern kann. Die Annahme war, es gäbe eine Zeit der Entwicklung und eine Zeit des Entwickeltseins. Die Frage, wie eine fixe, starre Struktur es den Menschen erlaube zu lernen oder ihr Verhalten zu verändern, wurde mit dem Hinweis auf Synapsen beantwortet: Veränderungen in der Intensität, mit der Synapsen miteinander kommunizieren, galten als direktes Korrelat des Lernens bzw. von Verhaltensmuster. Dementsprechend war die ‘Geschichte der Wissensgeschichte’, die sich Neurowissenschaftler – und nicht nur Neurowissenschaftler – erzählten, um ein immer genauer werdendes Wissen der Synapsen herum strukturiert. Die Bedeutung der Entdeckung der Plastizität des Erwachsenengehirns ist, dass sie den Fokus auf die synaptische Kommunikation als einziges dynamisches Element des Gehirns in Frage stellt – und damit auch die Geschichte des Wissens, die die Neurowissenschaften strukturierte. In diesem Vortrag geht es um die Frage, wie man die Geschichte des Wissens in einem Moment schreibt, indem die Linearität der Geschichte durchbrochen wird, welche das Wissen über das Gehirn und seine Wissenschaft bislang stabilisiert hatte.