class="csc-frame csc-frame-default"Wer legt fest, wo die Zentren und Peripherien des Wissens liegen?

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

Zentrum Geschichte des Wissens

Universität Zürich

Eidgenössische Technische Hochschule Zürich

JONAS SCHÄDLER

Zwischen Kraftwerk und Wohnraum. Zur Technik- und Wissensgeschichte des Stromzählers im 20. Jahrhundert


Wenige Projekte waren in der Schweiz des beginnenden 20. Jahrhunderts so stark national aufgeladen wie das der Elektrifizierung: Strom, dessen Materialität als solche nicht sichtbar ist, bot sich aufgrund dieser Eigenart an, mit verschiedenen anderen Merkmalen gepaart zu werden. So wurde Strom nicht nur als Alternative zur Kohle mit der Sauberkeit der Berggewässer in Verbindung gebracht, Strom wurde auch eng mit der Invention und Entwicklung von Präzisionsinstrumenten verknüpft, die bei der Distribution und Handhabung von Elektrizität eine wichtige Rolle übernahmen. Die Elektrifizierung und die damit verbundene Notwendigkeit der effektiven Stromgewinnung und -verteilung sowie deren Nutzung und Abrechnung waren bereits früh durch ein Elektrizitätswissen geprägt, welches im Gerät des Stromzählers manifest wurde.


«Das geheimnisvolle schwarze Kästchen», wie es in einer Quelle von 1942 bezeichnet wird, steht folglich in der Dissertation im Zentrum der Aufmerksamkeit. Der Zähler ermöglichte zum einen eine korrekte Abrechnung der verbrauchten Energiemenge, nach verschiedenen Tarifen aufgeschlüsselt. Zum andern funktionierte der Zähler als eine Kontrollinstanz zwischen Kraftwerk und Haushalt: Alle Gebäude, ob Fabrikanlage oder Privathaushalt, wurden im Zuge des Stromanschlusses mit einem entsprechenden Registrierapparat versehen, der in regelmässigen Abständen kontrolliert und geeicht wurde und dessen Manipulation gesetzlich unter Strafe stand. Der Zähler ist also vieles zugleich: sichtbares Zeichen der technischen Präzision, Geldeinnehmer und Treuhänder, Kontrollinstanz und Blackbox eines spezifischen Energiewissens.

Die Dissertation untersucht, wie der Implementierungsprozess der Elektrizität anhand dieses Präzisionsinstrumentes vor sich ging: Welches Wissen welcher Akteure war dazu notwendig? Welche technischen Voraussetzungen nötig? Wie kam der Zähler in die Haushalte und etablierte sich als vertrauenswürdiger Apparat? Wie wurde das korrekte Funktionieren der Stromzähler sichergestellt? Dies sind Fragen, denen im Dissertationsprojekt nachgegangen wird, um dem spezifischen Wissen um den Strom auf die Spur zu kommen.